Der PS-König

Ein Gedicht frei nach Goethe, als Reminiszenz an den bekannten Literaturfreund Rainer Flessa.

Wer quietschet so spät durch unseren Ort?
Es ist der Fahrer eines alten Ford;
das Steuer hat ihn wohl in seinem Arm,
es faßt ihn sicher, es hält ihn warm.
"O Auto, was birgst Du so bang Dein Gesicht?"
"Siehst Fahrer, Du die Kreuzung dort nicht?
die Straßenkreuzung mit Ampel und Schild?"
"Ach Auto, das ist gar nicht wild."
"Du liebes Auto, komm fahr mit mir;
gar schöne Unfälle bau ich mit Dir;
manch bunte Blumen stehn an der Straß';
meine Werkstatt verdient sich 'ne goldene Nas'"
"O Fahrer, o Fahrer, und hörest Du nicht,
was der Engel des Todes mir leise verspricht?"
"Sei ruhig, bleibe ruhig, das sag' ich Dir!
Frohlocke und jauchze; noch leben wir!"
"O Fahrer, o Fahrer, und siehst Du nicht dort
die Haube sich wölben vom jaulenden Ford"
"O Auto, o Auto, ich seh' nichts genau;
es scheinet die Farbe des Himmels so grau."
"Was sitzt da am Steuer für eine Gestalt?!
Die will wohl den Unfall mit aller Gewalt."
"O Fahrer, o Fahrer, nun halt endlich an!
Mit quietschenden Reifen ist es nicht getan!"
Dem Auto, ihm grauset's, es scheppert geschwind,
der Sprung in der Scheibe macht den Fahrer blind,
man kommet zum Stehen mit Mühe und Not,
doch unter der Haube der Ford war tot.